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Austrian Tax Freedom Day


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Was ist der Tax Freedom Day?

Wie lange müssen die österreichischen Steuerzahler durchschnittlich arbeiten, um die jährlichen Steuern und Abgaben zu leisten?

Diese Frage beantwortet der Tax Freedom Day (TFD). Der Tax Freedom Day (deutsch: Steuerzahlergedenktag oder Steuerzahlertag) bezeichnet das Datum, ab dem der durchschnittliche Steuerzahler sein Einkommen nicht mehr an den Staat weitergeben muss. Hat man also bis zum TFD 100% seines Einkommens dem Gemeinwesen gewidmet, so darf man ab dem TFD für die eigene Tasche arbeiten. Ursprünglich ist dieses Konzept durch die Tax Foundation in Washington D.C., USA entstanden und wurde von mehreren europäischen Wirtschaftsinstituten (z.B. Adam Smith Institute, Großbritannien, Karl-Bräuer Institut des Bundes der Steuerzahler Deutschland) aufgegriffen.

Warum den Tax Freedom Day berechnen?

Der TFD ist ein wichtiger Indikator für die Entwicklung einer Volkswirtschaft. Auf plakative Weise kann so die Effizienz eines Staatshaushalts dargestellt werden. Historische Vergleiche sind leicht abzulesen. Für den auf dem Gebiet der Volkswirtschaftslehre weniger geübten Staatsbürger bietet die Berechnung des TFD eine leicht verständliche Basis für die Einschätzung seiner persönlichen Kosten-Nutzen-Staatsbilanz.

Tax Freedom Day Österreich: 21. August 2015

Durchschnittlich beinahe 235 von 365 Tagen im Jahr 2015 muss die österreichische Volkswirtschaft für die Staatskasse arbeiten, um ab dann theoretisch frei über ihr Einkommen verfügen zu dürfen. Am 21. August 2015 wird Österreich seinen Tax Freedom Day zelebrieren. Ab diesem Tag muss der durchschnittliche Steuerzahler nun nicht mehr für Steuern und Abgaben arbeiten. Das weit in die zweite Jahreshälfte gerückte Datum des TFD zeigt deutlich die enorme Last, die der österreichische Steuerzahler trägt. Eine offene Diskussion über  das Abgabensystem und Transferleistungen, über „Steuergerechtigkeit“ und Staatsaufgaben und nicht zuletzt über den Wirtschaftsstandort ist zwingend nötig!

Berechnung des Tax Freedom Day

Wie errechnet man den TFD einer Volkswirtschaft?

Die  zu zahlenden Steuern und Abgaben werden ins Verhältnis zum Einkommen der Haushalte und Unternehmen gesetzt. Im nächsten Schritt wird der daraus errechnete Prozentsatz auf das Jahr mit 365 Tagen umgelegt, das Ergebnis bezeichnet den  Tax Freedom DayDer TFD zeigt also die gesamte Steuer- und Abgabenbelastung, die durchschnittlich von den Steuerzahlern in Österreich getragen wird in Form von benötigten Erwerbstagen.

Berechnungsgrundlagen:

Die zugrundeliegenden Zahlen beruhen auf Daten der Statistik Austria sowie auf Prognosen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) und des Bundesministeriums für Finanzen (BMF).

Die Steuer-und Abgabenbelastung, welche als volkswirtschaftliche Einkommensbelastungsquote bezeichnet wird, berechnet sich als Quotient aus Steuern und Abgaben und dem Volkseinkommen.

Das Volkseinkommen beinhaltet das gesamte in einer Volkswirtschaft von privaten Haushalten sowie Unternehmen erzielte Einkommen, wie Arbeitnehmerentgelte und Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Diese makroökonomische Größe wird auch als Netto-National-Einkommen zu Faktorpreisen bezeichnet und gibt annähernd das gesamte Privateinkommen der Wirtschaftssubjekte in einer Volkswirtschaft wieder. Die Steuern und Abgaben beinhalten auf der einen Seite sämtliche direkte Steuern wie Lohnsteuer, Körperschaftssteuer, Kapitalertragssteuer, etc. und indirekte Steuern wie Mehrwertsteuer, Tabaksteuer, Normverbrauchsabgabe, Mineralölsteuer, etc. Auf der anderen Seite inkludieren sie die Sozialbeiträge der Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Selbstständigen und Nichterwerbstätigen. Es kann argumentiert werden, dass diese Abgaben natürlich Aufgaben und Leistungen des Staates finanzieren. Nichtsdestotrotz müssen diese durch Haushalte und Unternehmen erwirtschaftet werden um im zweiten Schritt eine Umverteilung zu gewährleisten.

Alternative Methoden:

Häufig findet man TFD Berechnungen auf Basis des Bruttoinlandsproduktes, welches jedoch Verzerrungen wie Abschreibungen enthält und somit das volkswirtschaftliche Einkommen nicht korrekt darstellt. Das Bruttoinlandsprodukt ist grundsätzlich höher als das Volkseinkommens, wodurch der Tax Freedom Day zu einem früheren Zeitpunkt im Jahr dargestellt wird.

Das Austrian Economics Center hat sich für die Berechnungsmethode auf Grundlage des Volkseinkommen entschieden und stützt sich dabei auf die Erfahrung des Karl-Bräuer-Instituts des Bundes der Steuerzahler Deutschland. Unter anderem wird auch in Großbritannien vom Adam Smith Institute und von der Tax Foundation in den USA der jeweilige TFD  so berechnet.

Entwicklung des Tax Freedom Days

Das Austrian Economics Center hat den Tax Freedom Day rückwirkend bis zum Jahr 1976, nach beiden Methoden, dem Volkseinkommen [VE] und nach dem BIP, berechnet.


Sources: Statistik Austria

Historisch betrachtet hat sich dieser Tag (nach beiden Berechnungsarten) weit nach hinten verschoben – nach dem Volkseinkommen berechnet, vom 30. Juni im Jahr 1976 bis zum 21. August 2015. Das ist zugleich auch ein neuer Höchststand.  Im Jahr 2001 wurde ein fast ebenso hoher Wert festgestellt, nach dem bis 2006 eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen war. Seither steigt die Belastungsquote, und daher verschiebt sich der Tax Freedom Day – mit einer Unterbrechung im Jahr 2010 – im Kalenderjahr weiter nach hinten. Gerade Wirtschaftskrisen, wie das Platzen der Internetblase im Jahr 2001 oder die Finanzkrise in 2008, hatten einen negativen Effekt auf  den Zeitpunkt des Tax Freedom Days. Die Gründe hierfür sind nicht nur der Rückgang des Volkseinkommens, sondern auch  die fiskalpolitische Inflexibilität, sowie der höhere Zahlungen von Arbeitslosen- und Sozialunterstützung. Seit 2011 zeigt sich eine alarmierende Entwicklung: Trotz historisch niedriger Zinssätze und damit günstiger Finanzierung der Staatsschulden verschiebt sich der Tax Freedom Day immer weiter nach hinten.

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Sources: Statistik Austria

Weiteren Grund zur Besorgnis bietet der neue Höchststand beim Tax Freedom Day aufgrund der rasanten Entwicklung der letzten Jahre. Eine ernstzunehmende Trendumkehr ist leider nicht in Sicht – die jüngste Steuerreform reicht jedenfalls nicht dafür aus. Es ist davon auszugehen, dass der Tax Freedom Day in den  nächsten Jahren neue Höchststande markieren wird und spiegelt die rasante Fortsetzung eines seit langem erkennbaren Trends wider: Seit 1976 stieg das Volkseinkommen jährlich durchschnittlich um 4,7%, während die Steuern und Sozialabgaben jährlich um 5,3% gestiegen sind. Die volkswirtschaftliche Einkommensbelastungsquote, also das Verhältnis von Steuern und Sozialabgaben zum Volkseinkommen, ist im gleichen Zeitraum von 50% auf über 64% im Jahr gewachsen.

Einen wichtigen Aspekt neben der steigenden Abgabenbelastung stellt die zunehmende Staatsverschuldung dar. Eine wachsende Steuerlast geht nicht automatisch einher mit einer Tilgung des öffentlichen Schuldenstandes – wie man an der derzeitigen Entwicklung sieht. Der Schuldenstand steigt unaufhörlich weiter, wodurch kommende Generationen zusätzlich belastet werden. Für einen großen Teil der Neuverschuldung der letzten Jahre ist das Hypo-Desaster verantwortlich, allerdings droht auch der Reformunwille beim Pensionssystem zu einem großen Problem hinsichtlich des Anstiegs der Staatsschulden in den kommenden Jahren zu werden. Damit zukünftige Generationen in der Lage sind diese Schulden zu tilgen, müssen entweder die Ausgaben des Staates deutlich gesenkt werden oder die Steuerlast müsste weiter steigen, was wiederum zu einem noch späteren Tax Freedom Day führen würde.

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Sources:Statistik Austria

Ein heutiges Budgetdefizit, welches durch Neuverschuldung beglichen wird, lässt somit uns und unsere Nachkommen in Zukunft noch länger für den Staatshaushalt arbeiten.

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Sources:Statistik Austria

Volkseinkommen vs. Bruttoinlandsprodukt

Auch wenn die OECD die Berechnung auf Basis des Bruttoinlandsproduktes publiziert, so enthält diese Methode aus Sicht des Austrian Economics Center Mängel. Bedeutende  Wirtschaftsinstitute weltweit führen die Kalkulation auf Grundlage des Volkseinkommens durch, denn die Steuer- und Abgabenbelastung wird letztlich von den Einkommen erzielt, die in einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden. Um nun zu bestimmen, in welchem prozentualen Umfang die von privaten Haushalten und Unternehmen erzielten Einkommen (Volkseinkommen, definiert nach ESVG als Arbeitnehmerentgelt sowie Unternehmens- und Vermögenseinkommen) tatsächlich durch staatliche Abgaben belastet werden, muss daher die Gesamtsumme aus Steuern und Sozialabgaben ins Verhältnis zum Volkseinkommen gesetzt werden.

Kritisiert wird an der Methode auf Basis des Bruttoinlandsproduktes (BIP), dass das BIP noch Abschreibungen enthält und somit kein geeignetes Maß für das Einkommen einer Volkswirtschaft darstellt. Weiterhin kann kritisch gesehen werden, dass das Bruttoinlandsprodukt Importabgaben beinhaltet, die wiederum zu einer Verzerrung führen. Nach eingehender Diskussion wird daher vom Austrian Economics Center die Berechnungsmethode auf Grundlage des Volkseinkommens gewählt. Abschließend ist zu erwähnen, dass unabhängig von der Methode (auf Basis des Bruttoinlandsproduktes oder des Volkseinkommens) der Trend eines fortlaufend späteren Tax Freedom Days seit 1976 anhält.

Vergleich: Tax Freedom Day in anderen Ländern

                                                      Berechnung auf Basis vom

Deutschland 11 Juli 2015 Volkseinkommen
Großbritannien 31 Mai 2015 Volkseinkommen
Schweiz 1 Mai 2015 Nettonationaleinkommen zu Marktpreisen
Italien 21 Juli 2015 Nettonationaleinkommen zu Marktpreisen
Frankreich 24 Juli 2015  Nettonationaleinkommen zu Marktpreisen
Spanien 1 Juli 2015 Volkseinkommen
Schweden 8 Juli 2015 Nettonationaleinkommen zu Marktpreisen
USA 24 April 2015 Volkseinkommen
Litauen 15 Mai 2015 Volkseinkommen
Belgien 6 August 2015 Nettonationaleinkommen zu Marktpreisen
Bulgarien 2 Mai 2015  Nettonationaleinkommen zu Marktpreisen
Slowenien 13 Juni 2015 Volkseinkommen
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