Krise und Zukunft der Demokratie

 

Kennen Sie die ‘Sozialgesetze der verkehrten Proportionen’ des
österreichisch-schweizerischen Ökonomen und Bankiers Dr. Felix Somary? Er
hat sie 1952 in seinem Essay ‘Krise und Zukunft der Demokratie’
veröffentlicht. Ein sehr interessantes und heute vielleicht mehr denn je
lesenswertes Werk, dessen Wiederveröffentlichung wir dem Verleger Dr. Holger
Thuss aus Jena verdanken.

Vor allem eine Frage zieht sich wie ein roter Faden durch Somarys Buch:
Warum sind die Bürger bereit, in zunehmendem Maße persönliche Freiheiten
aufzugeben und sich vom Staatsapparat bevormunden zu lassen? Warum ertragen
sie hohe Steuer- und Abgabenbelasten mit geradezu konfiskatorischem
Charakter? Warum lassen sie zu, dass Gruppen die Staatseinnahmen verwalten,
die selbst von der Besteuerung ganz oder teilweise ausgenommen sind? Warum
akzeptieren sie das Obereigentum des Staates über das Privateigentum und das
staatliche Monopol der Geldschaffung? “Die Servilität wäre erklärlich,
hätten die Staaten das Versprechen eingelöst, ihren Angehörigen zum Glück zu
verhelfen; aber sie haben mit einem Mangel an Voraussicht und mit
Ergebnissen gearbeitet, die zu den Opfern der Völker in schreiendem
Mißverständnis stehen”, wundert sich Dr. Somary.

Der Vordenker sieht für diese Entwicklung hin zum stetigen Ausbau des
staatlichen Einflusses auf die wirtschaftliche und persönliche Freiheit der
Menschen vor allem eine Ursache: In seinen Augen haben die drei großen
Ideenbewegungen Europas – die Kreuzzüge, die Reformation und die
Französische Revolution – letztlich zu Ergebnissen geführt, die den
Absichten ihrer Schöpfer diametral entgegen standen. “Aus jeder der drei
Bewegungen ging – im vollen Gegensatz zu ihrem Geiste – die
Staatsorganisation gestärkt hervor”, schreibt Dr. Somary.

Diese Konzentration der Macht wiederum führt in seinen Augen zu den
insgesamt 20 Gesetzen der verkehrten Proportionen, die Somary am Ende seines
Buches beschreibt: Je stärker die Gewalt konzentriert ist, desto geringer
ist die Verantwortung. Je mehr Funktionen ein Staat übernimmt, desto
schwerer ist seine Verwaltung zu kontrollieren. Je größer und vielseitiger
der Staat, desto einflussloser das Volk. Je stärker der Druck der Regierung,
desto geringer der Widerstand der Massen. Je weniger eine Sache begründet
ist, desto leidenschaftlicher wird sie verteidigt. Je schwächer die
Staatsfinanzen, desto höher die Ausgaben. Soweit nur einige wenige dieser
Gesetze, die aktueller denn je scheinen – und als Disussionsbeitrag
geeignet, warum sich die Demokratien der westlichen Welt heute in einer
solch prekären Lage befinden. Mit Vorworten von Otto von Habsburg und
Nachworten unter anderem von Wilhelm Röpke.

Mit besten Grüßen und Wünschen

Johannes Maruschzik

 

Glasshouse

Center for Studies on a Free Economy

2010-10-27T10:36:59+00:00

One Comment

  1. […] desto schwerer ist seine Verwaltung zu kontrollieren“, um es mit dem vierten der insgesamt 20 Sozialgesetze der verkehrten Proportionen von Felix Somary zu […]

Leave a Reply